Die Mobilität von Menschen und Waren – kurz: Mobility – ist heute digitaler und komplexer denn je. Ob Züge, Häfen, ÖPNV oder Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge: Überall steuern vernetzte Systeme die Abläufe. Diese digitale Vernetzung bringt enorme Vorteile, erhöht aber gleichzeitig die Angriffsfläche. Ein Ausfall hat sofort weitreichende Folgen für Lieferketten, Reisende und ganze Städte. Deshalb ist Cybersecurity im Bereich Transportation & Mobility nicht optional, sondern absolut entscheidend.
Besonders verwundbar
Der Mobility-Sektor verbindet kritische Systeme: Leitstellen, Telematik, Depots, Flotten und Cloud-Backends. Ein Angriff auf nur eine dieser Komponenten kann sich schnell auf den gesamten Betrieb auswirken. Aktuelle Vorfälle in Häfen und ÖPNV-Betrieben zeigen, dass Angriffe real sind und erhebliche Schäden verursachen. Hinzu kommt, dass die europäische NIS2-Richtlinie klare Vorgaben macht: Unternehmen müssen Risiken aktiv managen, Monitoring einführen und Vorfälle innerhalb fester Fristen melden.
Standards und Leitplanken für sichere Mobility
Um den komplexen Anforderungen im Bereich Transportation & Mobility gerecht zu werden, haben sich branchenspezifische Standards etabliert:
– Rail/ÖPNV: CLC/TS 50701 überträgt IEC 62443-Prinzipien auf Bahnsysteme und berücksichtigt Safety-Aspekte.
– Maritim & Häfen: Die IMO-Guidelines fordern, Cyberrisiken in das Safety-Management zu integrieren.
– E-Mobility: OCPP 2.0.1 und ISO 15118 (Plug & Charge) sorgen für sichere Authentifizierung und Updates.
Typische Schwachstellen
Viele Betreiber von Transport- und Mobility-Systemen kämpfen mit ähnlichen Schwachstellen:
– Unkontrollierte Fernwartung ohne Zero-Trust-Konzepte
– Unsichere OTA-Updates ohne Signaturen
– Fehlende Netzwerksegmentierung zwischen IT und OT
– Kein zentrales Monitoring für IoT, Telematik und Leitstellen
– Risiken in der Lieferkette ohne SBOM oder klare Verantwortlichkeiten
Ein Fahrplan: Von Quick Wins zur sicheren Architektur
Wer Cybersecurity im Bereich Transportation & Mobility verbessern will, sollte strukturiert vorgehen. Dabei hat sich ein dreistufiger Ansatz bewährt:
1. Schnelle Maßnahmen (0–30 Tage): Asset-Inventar, MFA, sichere Fernwartung, erste Gap-Analyse.
2. Architektur-Absicherung (60–120 Tage): Segmentierung nach IEC 62443, Zero-Trust-Modelle, sichere OTA-Updates, Monitoring.
3. Institutionalisierung (6–12 Monate): Vollständige Audit-Dokumentation, Lieferkettensicherheit mit SBOM, Notfallübungen, KPI-Tracking.
Beispiele aus der Praxis
Wie Cybersecurity in der Mobility-Praxis funktioniert, zeigen konkrete Fälle:
– Rail/ÖPNV: Einführung einer Zonen-Architektur nach TS 50701 stoppte die Ausbreitung eines Angriffs.
– Hafenlogistik: Gateway-Security reduzierte Angriffe auf IoT-Geräte um 90 %.
– E-Mobility: Sichere Integration von OCPP 2.0.1 und ISO 15118 verhinderte Manipulationen an Ladepunkten.
Fazit: Cybersecurity mit Weitblick
Transportation & Mobility sind Rückgrat und Lebensadern unserer Gesellschaft. Cybersecurity sorgt dafür, dass Züge fahren, Häfen arbeiten, Busse rollen und E-Mobility zuverlässig bleibt. Mit einem klaren Fahrplan von Quick Wins bis zur langfristigen Zielarchitektur schaffen Betreiber nicht nur Compliance, sondern echte Resilienz. Mobility wird dadurch nicht nur sicherer, sondern auch zukunftsfähiger.